Nein liebe Borussen, wir sind nicht plötzlich Rechts geworden oder fühlen uns nicht mehr dazu berufen den Rechten Paroli zu bieten. Bevor wir erklären, was wir damit genau meinen, möchten wir kurz zurückblicken und auch nach vorne.

Rückblick:
Seit 12 Jahren kämpft dieser Fanclub aktiv gegen Rassismus, seit 8 Jahren kam auch der Kampf gegen Homophobie dazu und anderer Diskriminierungsgründe. Wir sind als Fanclub 2004 angetreten um einen Fanclub zu schaffen, der für alle toleranten Menschen ein Ort wird, in dem man Sie so akzeptiert wie Sie sind.

Wir haben mehr als 200 Dialoge mit rechtsdenkenden Menschen geführt, haben aktive Kampagnen gegen NPD und AfD geführt und sind immer Standhaft gewesen wenn es auch mal schwierig wurde. Nicht selten wurden wir bedroht und beleidigt. Oft genug haben wir da rein gestochen, wo sich kein anderer mehr hin getraut hat und über die Jahre sind wir namenhafte Partnerschaften eingegangen mit anderen Vereinen und Organisationen gegen rechts, unsere Partnerschaften reichen noch heute bis rein in den deutschen Bundestag. Wir sind stolz auf unsere bisher geleistete Arbeit.



Zukunft:
Der Standpunkt gegen rechts wird bleiben, auch das wir offen gegen rechts auftreten und uns positionieren. Der aktive Kampf ist aber vorerst beendet. Wir behalten uns das Recht vor, dies irgendwann gestärkt und mit neuer Energie wieder aufzunehmen.

Die Gründe für den Rückzug:
Die Gründe zu erläutern sind schwierig, da es hier zwei bis drei entscheidende Knackpunkte gab die zu diesem Schritt geführt haben. Am Ende macht es dann die Summe.

Die aktive Unterstützung gegen rechts war nicht mehr stark, Kampagnen bekamen nie mehr als ein Like, keiner hat rechtem Gedankengut die Stirn geboten, Kommentare im Internet werden überlesen, ignoriert, geduldet und teilweise geliked. Das Internet ist nur noch nach rechts mutig haben wir den Eindruck. Aber auch in der wirklichen Welt sieht es nicht anders aus. Die neue rechte Gruppierung 0231RIOT hat das Kommando auf der Südtribüne übernommen, viele der Ultras haben Angst Paroli zu bieten oder sympathisieren insgeheim mit Ihnen, die normalen Fans werden bedroht wenn Sie etwas sagen. Geschlossenheit zwischen Ultras und den normalen Fans vermisst man stetig. Jeder fährt sein eigenes Programm ab, während die Probleme sich weiter dramatisieren.

Mitarbeiter vom Fanprojekt und die Fanbeauftragten vom BVB sind nicht mehr sicher, ersterer wurde bereits brutal zusammengeschlagen. Die Politik schaut zu, keiner hilft. Auf sich alleine gestellt zu sein ist schwierig, der Verein kann nicht die gesellschaftlichen Probleme lösen die von außen ins Stadion getragen werden. Dortmund hat einen Mangel an Projekten zur Prävention gegen Rechts, damit ist Dortmund ein willkommener Nährboden für rechtes Gedankengut. Somit ist es ein Kampf gegen Windmühlen, wenn man 2 Rechte zur Vernunft gebracht hat, kommen 10 weitere nach.

Aber der eigentliche Knackpunkt war, als wir gegen die AfD vorgegangen sind. AfD Mitglieder und Sympathisanten müllten uns mit Parteiwerbung zu, machten Aktiv gegen die Flüchtlingspolitik und feindeten unsere weiblichen User / Fans an. Wir reagierten mit dem Ausschluss der AfD und bekamen nicht nur Widerstand aus der rechten Szene zu spüren, sondern auch aus den eigenen Reihen. Worte wie „Keine verbotene Partei“ „Demokratie muss das aushalten“ und „Politik hat im Sport nichts zu suchen“ waren die üblichen Kritikpunkte.

Ein Nackenschlag für unsere Arbeit, statt Unterstützung standen wir plötzlich mitten drin in der Debatte ob es richtig ist Mitglieder einer rechtspopulistischen Partei auszuschließen. Eine rechte Demonstration oder ein rechter Fackellauf durch die Städte Deutschlands lehnen wir ebenso ab wie eine rechte Partei und ihre Mitglieder. Beides muss ein demokratisches Land aushalten, das stimmt. Aber in einem demokratischen Land müssen WIR das nicht aushalten und können uns davon distanzieren und den größtmöglichen Abstand nehmen.

Wir blieben auch hier Standhaft! Auch wenn es uns schwer gefallen ist.

Wir haben zahlreiche Morddrohungen erhalten, Anrufe mit Gewaltandrohungen, tausende Mails mit rechtem Gedankengut und auch der Postbote brachte Briefe mit skurrilen Inhalten. Wir blieben immer Standhaft, jetzt fehlen die Kraft und die Unterstützung. Wir sind plötzlich alleine mit unserem Kampf, das schaffen wir nicht mehr.

Wir sammeln wieder Kraft und versuchen noch stärker zurück zu kommen. Bis dahin, BLEIBT STANDHAFT!